Vor dem Start der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeigt sich ein unterschiedliches Stimmungsbild in Österreich und Deutschland. Während die Vorfreude bei unseren deutschen Nachbarn langsam steigt, bleibt die Begeisterung in Österreich auf einem vergleichsweise moderaten Niveau.
Das zeigt die aktuelle Studie von TQS Research & Consulting in Kooperation mit dem Online-Access-Panel horizoom. Für die Untersuchung wurden jeweils 1.000 Personen in Österreich und Deutschland befragt.
Interesse an der WM entwickelt sich unterschiedlich
In Deutschland wächst das Interesse an der Fußball-WM spürbar. Aktuell geben 35 Prozent der Befragten an, großes oder sehr großes Interesse am Turnier zu haben. Im März lag dieser Wert noch bei 31 Prozent.
In Österreich zeigt sich hingegen ein leichter Rückgang. Hier interessieren sich derzeit 29 Prozent stark für die WM, verglichen mit 31 Prozent im Frühjahr.
Besonders auffällig: Mehr als ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher (37 Prozent) gibt an, nur sehr geringes Interesse an der Weltmeisterschaft zu haben. In Deutschland liegt dieser Wert bei 29 Prozent.
„Unmittelbar vor WM-Start sehen wir ein geteiltes Bild: Deutschland kommt langsam in WM-Stimmung, in Österreich bleibt die Begeisterung verhalten. Bemerkenswert ist, dass die eigene Mannschaft für die Stimmung weiterhin der entscheidende Hebel ist – ohne sie bleibt die WM für viele ein Ereignis, das man eher beiläufig wahrnimmt“, erklärt Ass. Prof. Dr. Dieter Scharitzer, Geschäftsführer von TQS Research & Consulting.
Die eigene Nationalmannschaft bleibt entscheidend
Die Teilnahme der eigenen Nationalmannschaft hat nach wie vor großen Einfluss auf das Interesse am Turnier. Rund die Hälfte der Befragten bewertet diesen Faktor als wichtig oder sehr wichtig für die eigene WM-Begeisterung.
Darüber hinaus wird die Teilnahme des Nationalteams auch als bedeutend für das jeweilige Land angesehen. In Österreich sehen 58 Prozent darin eine hohe Bedeutung, in Deutschland 52 Prozent.
Dabei zeigen sich die Deutschen deutlich optimistischer, was die Erfolgschancen ihres Teams betrifft. Viele trauen der deutschen Mannschaft einen Einzug ins Viertel- oder Halbfinale zu. In Österreich rechnen die meisten Befragten hingegen eher mit dem Erreichen der K.-o.-Phase.
Fußball wird vor allem zuhause verfolgt
Die WM wird 2026 überwiegend vor dem Fernseher oder per Streaming verfolgt. In Deutschland wollen 56 Prozent die Spiele zuhause ansehen – ein Anstieg gegenüber den 50 Prozent im März.
In Österreich liegt dieser Wert bei 46 Prozent und damit etwas niedriger als noch im Frühjahr. Gleichzeitig steigt der Anteil jener, die die WM überhaupt nicht verfolgen möchten, von 33 auf 37 Prozent.
Public Viewing bleibt in beiden Ländern ein Randphänomen. Nur rund jeder Siebte plant, Spiele gemeinsam auf öffentlichen Veranstaltungen anzusehen. Eine Reise zu den Spielorten nach Nordamerika kommt für die große Mehrheit nicht infrage.
Spanien bleibt Favorit auf den WM-Titel
Bei der Frage nach dem künftigen Weltmeister liegt Spanien sowohl in Österreich als auch in Deutschland an der Spitze. 15 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sowie 14 Prozent der Deutschen sehen Spanien als Titelgewinner.
In Deutschland hat jedoch Frankreich deutlich aufgeholt. Seit März hat sich der Anteil der Frankreich-Tipps von 7 auf 14 Prozent verdoppelt. Damit liegen beide Nationen mittlerweile gleichauf an der Spitze der Favoritenliste.
Interessant ist auch der Blick auf die eigene Mannschaft: Zwölf Prozent der Deutschen rechnen mit einem WM-Titel Deutschlands, während lediglich rund drei Prozent der Österreicherinnen und Österreicher ihrem Team den ganz großen Erfolg zutrauen.
Mehr als 40 Prozent der Befragten wollen sich allerdings noch auf keinen Favoriten festlegen.
Zwischen Spannung und Gleichgültigkeit
Die emotionalen Erwartungen an die WM fallen unterschiedlich aus. In Deutschland dominieren Gefühle wie Spannung (40 Prozent) und Gemeinschaft (38 Prozent).
In Österreich zeigt sich ein vielfältigeres Bild: Gleichgültigkeit (35 Prozent), Spannung (34 Prozent) und Nationalstolz (34 Prozent) liegen nahezu gleichauf. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die WM zwar wahrgenommen wird, aber derzeit noch keine breite Euphorie auslöst.
Offene Ablehnung gegenüber dem Turnier äußert in beiden Ländern nur eine kleine Minderheit.
Sicherheitslage der Gastgeberländer wird unterschiedlich bewertet
Großes Vertrauen genießen die Befragten gegenüber Kanada. 94 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sowie 92 Prozent der Deutschen halten die Sicherheitslage dort für eher oder sehr sicher.
Deutlich kritischer werden die USA bewertet. Fast jede zweite befragte Person in Österreich und mehr als die Hälfte der Deutschen sehen die Sicherheitslage dort skeptisch.
Am kritischsten fällt die Einschätzung für Mexiko aus. Rund drei Viertel der Befragten in beiden Ländern halten die Sicherheitslage dort für eher oder sehr unsicher.
Fazit
Kurz vor dem Start der Fußball-WM 2026 zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland. Während in Deutschland die Vorfreude zunimmt und die Erwartungen an das eigene Team steigen, bleibt die Stimmung in Österreich zurückhaltender. Klar wird jedoch in beiden Ländern: Die eigene Nationalmannschaft bleibt der wichtigste Faktor für die Begeisterung rund um das größte Fußballturnier der Welt.
