Zur Lage der Wiener Wirtschaft

TQS-Geschäftsführer im Expertentalk bei W24 Spezial: Zur Lage der Wiener Wirtschaft

Dieter Scharitzer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts TQS Research & Consulting, war zu Gast bei W24 Spezial und sprach über die Lage der Wiener Wirtschaft in Zeiten der Coronakrise. In einem Expertentalk mit Margarete Gumprecht (Handelsobfrau der Wiener Wirtschaftskammer und Lebensmittelhändlerin) und Alexander Sael (Sprecher der Kaufleute im Kaufpark Alterlaa und Betreiber der Werbeagentur Sael) berichtete er über die Ergebnisse von repräsentativen TQS-Studien und diskutierte über Gewinner und Verlierer der Krise sowie über Chancen und Risiken.

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Der vor kurzem stattgefundene zweite Lockdown trifft die österreichische Wirtschaft schwer. Rund drei Wochen lang war die überwiegende Mehrheit der Geschäfte geschlossen und es werden Handelsumsatzeinbußen von rund 20 % erwartet (circa 30 % ohne Lebensmittelhandel). Gewinner dieses Umstandes ist vor allem der Online-Handel, bei dem, im Vergleich zum Vorjahr, ein dickes Plus von ca. 50 % erwartet wird. Die Leute kaufen in Zeiten von Corona vermehrt von Zuhause aus ein. Der stationäre Handel muss in den kommenden Tagen und Wochen versuchen die Leute „zurückzugewinnen“ und sie wieder vermehrt in die Geschäfte locken. Dies kann aber nur gelingen, wenn der regionale Handel seine große Stärke ausspielt: die persönliche Beziehung zum Kunden. Denn die Menschen sehnen sich in Zeiten von Social Distancing vor allem nach Nähe und sozialen Kontakten. Dadurch, glaubt Dieter Scharitzer, werden auch die körpernahen Dienstleistungen rasch wieder Aufwind bekommen.

Ein weiterer Pluspunkt des stationären Handels ist bereits seit dem ersten Lockdown deutlich geworden: die ÖsterreicherInnen kaufen bewusster, regionaler und nachhaltiger ein. Auch wenn viele Produkte nach wie vor aus reiner „Lust“ gekauft werden, spielt das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle in den Köpfen der Bevölkerung.

Gewinner der Krise sind vor allem Baumärkte, Möbelhäuser und Lebensmittelhändler, die davon profitieren, dass die Leute nun viel Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen und ihr Heim dementsprechend schön einrichten/gestalten wollen sowie wieder häufiger selbst zuhause kochen.

Der Freizeitbereich sowie der Tourismus zählen hingegen ohne Zweifel zu den Verlierern der vergangenen Monate. Dies schädigt nicht nur die jeweiligen Bereiche, sondern die gesamte Wirtschaft, da alle Sektoren miteinander zusammenhängen und viele Betriebe auch indirekt betroffen sind. Gerade daher ist es jetzt von enormer Wichtigkeit zusammenzuhalten, um die österreichische Wirtschaft gemeinsam wiederaufzubauen.

Trotz des schwierigen Jahres sehen 70 % der ÖsterreicherInnen ihre eigene Zukunft weiterhin positiv und diese Einstellung bildet die Grundlage für eine gute Aussicht auf die Zukunft. Daher spricht Dieter Scharitzer in Bezug auf das Jahr 2021 von „hinfallen, aufstehen, Krone richten und weitergehen“.